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ANN: Knotenpunkte und Netzwerke Neapels (Rom, 16-22 Oct 17)

Creche-Tavern-5_480.jpgRom, Bibliotheca Hertziana, 16. – 22.10.2017
Deadline: May 31, 2017

Knotenpunkte und Netzwerke Neapels.Tiefenbohrungen in einer porösen
Stadt

Studienkurs der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte
Leitung: Prof. Dr. Tanja Michalsky, Dr. Elisabetta Scirocco

Walter Benjamin schrieb am 19.8.1925 in der Frankfurter Zeitung zu Neapel:

»Niemand orientiert sich an Hausnummern. Läden, Brunnen und Kirchen geben die Anhaltspunkte. Und nicht immer einfache. Denn die übliche Neapolitaner Kirche prunkt nicht auf einem Riesenplatze, weithin sichtbar, mit Quergebäuden, Chor und Kuppel. Sie liegt versteckt, eingebaut; hohe Kuppeln sind oft nur von wenigen Orten zu sehen, auch dann ist es nicht leicht, zu ihnen zu finden; unmöglich die Masse der Kirche aus der der nächsten Profanbauten zu sondern. Der Fremde geht an ihr vorüber. […] Porosität begegnet sich nicht allein mit der Indolenz des südlichen Handwerkers, sondern vor allem mit der Leidenschaft für das Improvisieren. Dem muß Raum und Gelegenheit auf alle Fälle gewahrt bleiben. Bauten werden als Volksbühne benutzt.«

Die von Benjamin gewählte Qualität des ›Porösen‹ ist ambivalent, denn sie bezeichnet ebenso das dichte Nebeneinander von (Hohl-)Räumen als auch die gleichsam natürlich gewachsene Formation eines lebendigen Organismus. Insbesondere die prekäre Seite dieser Beschreibung spiegelt sich in der Kunstgeschichtsschreibung, denn Neapel hat dort nicht zuletzt aufgrund der benannten Eigenschaften noch immer einen schlechten Stand. Auch wenn allgemein bekannt ist, welche Schätze sie birgt, so wurden doch bis heute nur wenige von ihnen gehoben. Zerstörungen und Überschreibungen in einem dichten Geflecht lassen die Stadt als besonders chaotisch erscheinen und die lokalen Forschungsbedingungen sind schwieriger als in anderen Städten. Der Umstand, dass die Kunstgeschichte Neapels noch immer in Abhängigkeit von anderen Städten wie Florenz und Rom konzipiert wird, ist jedoch eher den eingefahrenen Spuren der italienischen Kunstgeschichtsschreibung geschuldet. Größere Bekanntheit erlangt haben letztlich nur die Epoche des französischen Königsgeschlechts Anjou (13.–14. Jh.), sowie die Malerei und die prunkvollen Ausstattungen im Barock wobei in beiden Fällen gerne von Sonderfällen gesprochen wird. Die neapolitanische Renaissance unter dem Königshaus Aragon scheint auf wenige herausragende Monumente beschränkt, die selten als genuine Produkte sondern eher als Importe bewertet werden. Ziel des Studienkurses ist es, diese Forschungssituation zu reflektieren und einen Versuch zu unternehmen, die neapolitanische Kunst aus den spezifischen historischen und sozialen Bedingungen heraus zu verstehen. Gestalt und Gestaltung Neapels sollen daher anhand ausgewählter Beispiele von der Antike bis in die Gegenwart verfolgt werden. Konkret gemeint sind damit antike Stätten wie das Forum, frühchristliche wie die Katakomben, über Kirchen, Paläste und Platzanlagen vom Spätmittelalter bis zum Barock, Sanierungsmaßnahmen des 19. Jahrhunderts bis hin zu den jüngsten Ausstattungen der Metro-Stationen. Das Programm ist so gestaltet, dass an einzelnen Orten die Stratifikationen der Stadt ebenso wie die Nachbarschaften von Monumenten in den Blick rücken, die einzelnen Werke dadurch als Teile der historischen und urbanen Netzwerke und zugleich als Produkte sozialer und politischer Kontexte gelesen werden können.

Die Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte übernimmt die nachgewiesenen Fahrtkosten bis zu einer Obergrenze von 300 € sowie die Kosten der Unterbringung. Ferner erhalten die Teilnehmer/innen ein pauschales Tagegeld von insgesamt 196 €. Diese Ausschreibung ist auch im Internet zu finden unter:
www.biblhertz.it/institut/forschungs-und-nachwuchsfoerderung/roemischer-studienkurs/
Die Bewerbung ist mit CV, einem Empfehlungsschreiben eines/er Hochschullehrers/in und einem Motivationsschreiben bis zum 31.5. 2017 an Raffaele Rossi (rossi@biblhertz.it) zu richten. Die Bewerber/innen erhalten Ende Juni Bescheid über die Auswahl und die Vergabe von Referatsthemen.

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